Ein Jubiläum mit Beigeschmack
Die USA feiern 250 Jahre Unabhängigkeit. Der ORF nimmt das Jubiläum zum Anlass, es dem Publikum gründlich zu vermiesen. Statt zu berichten, was gefeiert wird, liefert der Gebührenfunk die Haltung gleich mit.
Schon die Überschriften geben die Richtung vor. Auf science.orf.at heißt es „Universelle Menschenrechte und blinde Flecken“, und im ersten Satz steht, diese blinden Flecken würden „unter Donald Trump wieder besonders sichtbar“. Der Text arbeitet sich durch Sklaverei, die Formel von den „wilden Indianern“ und ein Höchstgerichtsurteil zum Wahlrecht, um am Ende festzuhalten, das Jubiläum hinterlasse „mehr denn je einen schalen Beigeschmack“. Ein Gast, der zum Geburtstag kommt und dem Gastgeber erklärt, warum eigentlich nichts zu feiern ist.
Auf orf.at empfängt die Leser das „Naserümpfen“ schon in der Überschrift, daneben die Dauerfrage „Wie prägt Trump die USA?“. Zum 250er eines befreundeten Landes führt der ORF nicht mit dem, was gefeiert wird, sondern mit dem, was man dem Land vorhalten kann. Man stelle sich denselben Ton zu einem EU- oder österreichischen Jubiläum vor.
Das ist der rote Faden zum Fall Hayali: Nachricht und Haltung verschwimmen. Ein öffentlich-rechtlicher Beitrag darf einordnen, aber wenn die Einordnung zur Grundfarbe wird und die schlichte Nachricht, ein Land feiert seinen Geburtstag, darunter verschwindet, ist es kein Bericht mehr, sondern ein Kommentar mit Nachrichtenlogo.