Satire / ORF-Watch
Inoffizielle Satire auf den ORF — den Österreichischen Rundfunk. Die Nachrichten, bevor sie durch den Filter gehen.
Inland

Zwei Kommastellen für 2027 — und die Hitzewelle von heute ist schon verurteilt

Satire-Illustration: Klimaforscher als Jahrmarkts-Wahrsager mit leuchtender Glaskugel, in der „1,71 °C 2027
Symbolbild · eigene KI-Illustration (Satire)

Das Wegener Center der Uni Graz prognostiziert für 2026 ein Plus von 1,62 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau, für 2027 sogar 1,71 Grad — auch der langfristige 20-Jahres-Mittelwert überschreite bereits ab 2026 das 1,5-Grad-Limit des Pariser Abkommens. Klimaforscher Gottfried Kirchengast nennt die Methode „ein echtes Novum": Man nutze Beobachtungsdaten bis Mai 2026, ab Juni Saisonvorhersagen, dazu das Wissen über den Temperaturverlauf bei starken El-Niño-Ereignissen.

Ein neuer Referenzdatensatz seit 1850 zeige mit über 99 Prozent statistischer Sicherheit eine beschleunigte Erwärmung seit 1980; langfristig erreiche sie 1,55 Grad im nächsten Jahr und überschreite ab 2032 die 1,7 Grad. Selbst die aktuelle Hitzewelle in Europa sei nachweislich von der globalen Erwärmung gesteuert. Ursache sei „die fehlende Ambition beim Klimaschutz", so Kirchengast, der von „Klimaschutzversagen" und einer „himmelschreienden Ungerechtigkeit gegenüber … der jetzigen Kindergeneration" spricht.

Aus der Redaktion Dass es wärmer wird, bestreitet hier niemand. Die Frage ist, ab wann Messen in Verkündigung kippt. Eine Prognose auf zwei Kommastellen, zwei Jahre im Voraus, wird als „Novum" gefeiert — und die Hitzewelle von heute gleich als Beweisstück hinterhergeschoben. So arbeitet keine Statistik, so arbeitet ein Glaubensbekenntnis: Jede warme Woche bestätigt das Modell, jede kühle ist bloß Wetter. Aus einer Kurve wird „Versagen", aus einem Datensatz eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit gegenüber der Kindergeneration". Der ORF stellt da kein Mikrofon hin, sondern einen Altar. Zwei Nachkommastellen sind keine Gewissheit. Sie sind zwei Nachkommastellen.

Quelle: science.orf.at/stories/3236169 · Satire/Parodie · nicht mit dem ORF verbunden

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