Satire / ORF-Watch
Inoffizielle Satire auf den ORF — den Österreichischen Rundfunk. Die Nachrichten, bevor sie durch den Filter gehen.
Medien

Heiß, heißer, ORF: Die tägliche Klima-Andacht

Es ist Sommer, also sendet der Staatsfunk Hitze. Allein in dieser Woche zählen wir auf ORF-Seiten mindestens fünf Hitze-Stücke: „Hitzealarm in weiten Teilen Europas" mit mehreren Toten, „Heiße Schulen: ‚Hitzefrei' in Österreich nicht vorgesehen", „Hitze in Schulen: ‚Unterricht nicht mehr möglich'" (wien.orf.at), „Bildungsdirektion für flexible Hitzelösungen" (steiermark.orf.at) und „Zu heiß zum Lernen: Hitzestress in Schulen nimmt zu" (science.orf.at).

Dass es heiß ist, stimmt: In Bordeaux wurden 43 Grad gemessen, in der Region Gironde starben nach Behördenangaben drei Menschen zwischen 80 und 95 Jahren an der Hitze; weite Teile Frankreichs standen unter der höchsten Warnstufe. Ein Sommer mit Hitzewelle ist real. Die Frage ist nicht, ob berichtet wird, sondern in welcher Tonlage — und mit welcher Gewissheit über das, was angeblich sicher kommt.

Denn das Genre lebt von der datierten Apokalypse, die dann höflich verstreicht. Im März 2000 zitierte die britische Zeitung „The Independent" den Klimaforscher David Viner von der Climatic Research Unit der University of East Anglia: Schneefälle würden „a thing of the past", Kinder würden bald nicht mehr wissen, was Schnee sei. 26 Jahre später schneit es weiter. Al Gore erklärte 2008/2009, die arktische Sommereis-Kappe könne binnen rund fünf Jahren — also etwa bis 2013 — vollständig verschwinden; er berief sich auf Forscher, von denen sich einer umgehend distanzierte. Das Eis ist noch da.

Aus der Redaktion Niemand bestreitet hier die Physik. Bestritten wird die Liturgie: täglich Hitze, täglich Mahnung, täglich die unausgesprochene Gewissheit, dass das Schlimmste sicher ist und morgen kommt. Wer ein Vierteljahrhundert lang das Ende des Schnees und das eisfreie Nordpolarmeer ankündigt und dann weitersendet, als wäre nie etwas gewesen, betreibt keine Aufklärung, sondern Wetterseelsorge. Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Predigt ist die Bereitschaft, sich an der eigenen Prognose messen zu lassen. Eine Hitzewelle ist eine Hitzewelle. Sie wird nicht dadurch wahrer, dass man sie fünfmal in der Woche zum Jüngsten Gericht erklärt.

Quellen: orf.at/stories/3434067 (Hitzealarm) · orf.at/stories/3434146 (Schulen) · Vorhersage Schnee: „The Independent", 20. 3. 2000 (Original gelöscht, vielfach dokumentiert) · Arktis-Eis: PolitiFact-Faktencheck zu Al Gore · Satire/Parodie · nicht mit dem ORF verbunden

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