„Angeblicher Hitlergruß": Wie aus einem beschnittenen Foto eine Gewissheit wird
Mitten im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt taucht ein Foto von 2020 auf: Es zeigt AfD-Landeschef Martin Reichardt mit erhobenem linken Arm. Mehrere überregionale Medien deuten die Geste als Hitlergruß und berufen sich auf zwei nicht näher benannte Zeugen. Reichardt bestreitet das: „Dieses Foto stellt keinen Hitlergruß dar. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie irgendwo einen Hitlergruß gezeigt."
Der medienkritische Kern liegt im Bildausschnitt. In den verbreiteten Versionen ist weggeschnitten, dass unmittelbar vor Reichardt eine kniende Person steht — der AfD-Landesvorstand und der Betroffene selbst schildern die Szene als scherzhaften „Ritterschlag" für ein neues Mitglied auf einem Grillfest. Erst das vollständige Bild zeigt diesen Kontext. Gegen die Deutung als Hitlergruß sprechen laut den Kritikern zudem die erhobene linke statt rechte Hand und die nicht geschlossenen Finger.
Bewiesen ist damit nichts — in keine Richtung. Es gibt Zeugen, die von einem Hitlergruß sprechen; es gibt die Beteiligten, die das bestreiten. Aussage steht gegen Aussage. Genau deshalb wäre bei einem so schweren Vorwurf — er stellt einen Menschen moralisch außerhalb des demokratischen Raums — das vollständige Bild samt aller Widersprüche zu zeigen, statt der bequemen Eindeutigkeit. Stattdessen lief das knappe Bild zuerst.
Satire/Parodie · gestützt auf öffentlich zugängliche Berichte und das Bundestags-Dementi von M. Reichardt; von ORealFunk nicht unabhängig gegengeprüft · bei laufenden Verfahren gilt die Unschuldsvermutung · nicht mit dem ORF verbunden
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