Satire / ORF-Watch
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„Sehnsucht nach einer Führerpersönlichkeit": Wenn ein Ex-Bundespräsident ein Drittel der Wähler diagnostiziert

In einem am Wochenende veröffentlichten Interview hat Alt-Bundespräsident Joachim Gauck die Wählerschaft der AfD vermessen. „Wer seine Stimme der AfD gibt, wählt zu großen Teilen den reinen Protest", sagte er. Etwa ein Drittel der Wählerschaft dürfte gegenwärtig und in näherer Zukunft dem „demokratischen Konsens" verloren gehen; es hätten sich „feste Milieus" gebildet, „die sich in einer gewissen Fremdheit gegenüber unserem Staat und der liberal geprägten offenen Gesellschaft eingerichtet haben".

Fairerweise: Gauck warnt im selben Gespräch ausdrücklich davor, diese Wähler pauschal zu verurteilen. Es sei „Unfug", jeden Anhänger der Partei als Extremisten abzustempeln, und ein „schwerer Fehler, jeden AfD-Wähler pauschal zum Faschisten zu erklären". Hinter vielen Wahlentscheidungen stehe ein „tiefes Bedürfnis nach Orientierung und Entlastung".

Und dann, im selben Atemzug, kommt die Diagnose. Gerade im Osten habe man es „in Teilen mit einer schwierigen Wählerschaft zu tun": „Die Zivilgesellschaft ist dort generell schwächer ausgeprägt, weil die Menschen die Demokratie schlicht nicht so lange trainieren konnten wie im Westen." Viele Ostdeutsche, so Gauck, sehnten sich „nach einer Gefolgschaft, einer Führerpersönlichkeit"; im „Rausch des Protestes" werde das Negative ausgeblendet. Teile der Wählerschaft wollten gar „aus purer Destruktivität die totale Disruption, also alles Bestehende zertrümmern".

Der Aufbau ist verräterisch. Erst die Absolution (kein Faschist), dann das Urteil: zu wenig Demokratie geübt, sehnt sich nach dem Führer. Wer so spricht, argumentiert nicht mit Wählern, er befundet sie. Und ein Mann, der den Osten 2015 schon einmal in „hell" und „dunkel" sortiert hat, weiß sehr genau, wo er für diesen Befund Applaus bekommt.

Aus der Redaktion Genau das ist die Blindstelle, um die es in dieser Rubrik geht. Sagt ein Politiker „das Volk", zucken die öffentlich-rechtlichen Sender zusammen. Diagnostiziert ein Alt-Bundespräsident ein Drittel der Bürger als demokratisch unterbelichtet und führersehnsüchtig, gilt es als staatstragende Weisheit. Die höfliche Vorrede („kein Faschist") ändert nichts am Inhalt: Millionen Wähler werden nicht widerlegt, sondern auf die Couch gelegt. Wer Zustimmung verlieren will, muss den Leuten nur lange genug erklären, dass mit ihnen psychologisch etwas nicht stimmt.

Quelle: Interview-Aussagen von Joachim Gauck, öffentlich berichtet (Wochenende, 27. 6. 2026); Zitate sinngemäß und wörtlich aus der veröffentlichten Wiedergabe, nicht unabhängig gegengeprüft. Auswahl, Überschrift und Redaktionskommentar sind Satire/Meinung · nicht mit dem ORF verbunden.

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